Gemeinschafts– und Sekundarschule Hagenberg Gernrode

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Unrechtssysteme in Deutschland (1)

Tage der Begegnung 2012 in der Gedenkstätte Langenstein - Zwieberge

 

Seit 1991 laden die Gedenkstätte Langenstein - Zwieberge und deren Förderverein jährlich im April zu den „Tagen der Begegnung“ mit Überlebenden und deren Angehörigen ein.

Für die diesjährigen "Tage der Begegnung" hatte die Gruppe der 2. Generation, die aus Kindern, Enkeln und Urenkeln ehemaliger Häftlinge aus ganz Europa besteht, das Thema "Brot-Baracke-Mensch" gewählt, um ihrer Väter und Großväter zu gedenken.

Eine Schülerprojektgruppe hatte die Möglichkeit, zu diesem Thema eine eigene Gedenkaktion zu entwickeln.

Zu dieser Gruppe gehörten auch Schüler der Klassen 10a und 10b unserer Sekundarschule Hagenberg Gernrode. Es waren  Alexander Kaminsky, Olivia Albrecht und Caroline Clemens. Zur Projektgruppe gehörten auch 6 Schüler der  Berufsbildenden Schulen „Geschwister Scholl" Böhnshausen sowie eine Studentin der Hochschule Magdeburg - Stendal.

Am 15.4. 2012 fand zunächst am Mahnmal die offizielle Gedenkveranstaltung aus Anlass des

67. Jahrestages der Befreiung des KZ Langenstein - Zwieberge statt.

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung stellten die Jugendlichen am Standort der ehemaligen

Baracke 13 den Teilnehmern ihr Projekt vor. Bei der Auseinandersetzung mit der Geschichte des KZ Langenstein - Zwieberge, insbesondere mit den schrecklichen Arbeits- und Lebensbedingungen in diesem Außenlager des KZ Buchenwald, erarbeiteten sich die Jugendlichen Fragen, die sie den Häftlingen gestellt hätten. Antworten auf ihre Fragen konnten die Jugendlichen in Texten von Überlebenden finden.

Zu jeder Fragestellung und Antwort gestalteten die Projektteilnehmer eine bildliche Darstellung auf einem Puzzleteil. Eine Holztafel war im Vorfeld dafür in 12 Einzelteile zerschnitten worden. Während der Gedenkaktion wurden dann diese "Bruchstücke des Erinnerns", nach Verlesen der 10 Fragen und Antworten wieder zu einem Gesamtbild zusammengesetzt.

Ein 11. Puzzleteil blieb schwarz - als Symbol dafür, dass wir uns wohl nie ein ganz vollständiges Bild der durchlebten Qualen der Häftlinge machen können.

Ein weißes Puzzleteil drückt für uns alle unsere Hoffnung auf eine Zukunft in Frieden und Freundschaft aus.

Das Puzzle wird in der Gedenkstätte Langenstein - Zwieberge zu sehen sein.

 

Hanka Rosenkranz

Geschichtslehrerin / Projektleiterin

 

„EIN ZEICHEN DER HOFFNUNG“ –

Gedenkaktion zu den Tagen der Begegnung 2015 in der Gedenkstätte für die Opfer des KZ Langenstein-Zwieberge

 

„Und nun ein Zeichen der Hoffnung“ – mit diesem auf Französisch, Lettisch, Englisch und Deutsch gesprochenen Satz endete die Gedenkaktion 2015, die Schüler und junge Erwachsene aus dem Harzkreis und französische Schüler aus der Harzer Partnerregion  Belfort zum Thema „Todesmarsch“ auf dem ehemaligen Appellplatz, auf dem dieser Marsch vor 70 Jahren seinen Anfang genommen hatte, gestalteten.

70 Tauben flogen auf dieses Zeichen hin mit lauten Flügelschlägen über die Köpfe der Überlebenden Georges Petit aus Frankreich und Ryszard Kosinski aus Polen sowie aller anderen Gäste aus Belgien, Frankreich, Holland, Italien, Lettland, Polen, den USA und Deutschland, die sich zu den „Tagen der Begegnung“ eingefunden hatten.

Auch in diesem Jahr beteiligten sich mit Lisa Witzel, Lukes Jänecke und Hendrik Münch aus den Klassen 9a/b wieder Schüler unserer Schule an den jährlich im April stattfindenden „Tagen der Begegnung“.

Gemeinsam hatten sich die jungen Leute seit März mit der Geschichte des KZ Langenstein-Zwieberge und Zeitzeugenberichten von Überlebenden des Todesmarsches auseinandergesetzt und versucht zu verstehen, wie sinnlos und grausam dieser letzte Versuch der Nationalsozialisten und SS-Bewacher war, den Gefangenen ihre Würde und ihr Leben zu nehmen, um noch möglichst viele Zeugen ihrer Greueltaten zu beseitigen.

Für die szenische Darstellung des Themas stellten die Jugendlichen im Vorfeld der Aktion weiträumig über den Appellplatz verteilt Schilder auf und versahen diese mit Ortsbezeichnungen, Fotos und Entfernungsangaben. Die Schilder zeigten exemplarisch Stationen des Todesmarsches, auf den ca. 3.000 Häftlinge des KZ Langenstein-Zwieberge ohne Ziel zwischen den Fronten hin und her getrieben wurden und den nur ca. 500 von ihnen überlebten.

Am Aktionstag selbst symbolisierten die jungen Leute die Bewegung der Häftlinge zwischen einzelnen Stationen des Marsches. An jeder Station zitierten sie prägnante Textpassagen von Überlebenden und entfernten sich schließlich, in Gruppen oder einzeln, immer weiter vom Ausgangspunkt, blieben stehen, gingen weiter oder blieben gänzlich zurück. Ihre Texte wurden von Esther und Toralf aufgenommen und - durch ein Mikrophon verstärkt - als Echo der Häftlingsstimmen wiederholt. Zum Schluß kehrten alle Jugendlichen auf unterschiedlichen Wegen wieder zum Ausgangspunkt zurück, um mit einer Schweigeminute der Opfer des Todesmarsches zu gedenken.

Aber die jungen Leute richteten ihren Blick nicht ausschließlich auf die Vergangenheit, sondern nahmen auch Bezug auf ihr eigenes Leben an diesem „12. April 2015“.

Mit prägnanten Schlagworten wie „Angst“, Vertreibung“, „Terror“, „55,2 Millionen Flüchtlinge“, „Syrien“, „Gier“, „Trauer“, „Hass“ oder „Ausbeutung“ wiesen sie auf die aktuellen Probleme in unserer Welt hin. Dass dies nicht die Welt ist, in der sie leben möchten, machten sie anschließend an Begriffen wie „Toleranz“, „Gastfreundschaft“, „Brot teilen“, „Hilfe“ oder „Liebe“ fest. Mit  „Zivilcourage“, „Freundschaft“ und „Mut“ will jeder Einzelne von ihnen sich für „Freiheit“ und „Menschenrechte“ einsetzen und dafür, dass die Geschichte von Langenstein-Zwieberge nicht vergessen wird - damit die Welt von heute ein bisschen besser werde.

70 Tauben ließen junge Franzosen und Deutsche, ein lettisches Mädchen und ein amerikanischer Junge über den einstigen Appellplatz fliegen  -  als Zeichen ihrer gemeinsamen Hoffnung auf eine bessere Welt.

Schon am Freitag, den 10.04.2015 kamen die Schüler mit dem ehemaligen Häftling George Petit und seinen 3 Söhnen intensiv ins Gespräch. Dabei ging es nicht nur um die unmenschlichen Bedingungen seiner Haftzeit und seine Erinnerungen an den Todesmarsch sondern auch  um aktuelle politische Probleme der Welt. Seine Bitte an die jungen Leute, mischt euch ein, fragt nach, nehmt Anteil an den Geschehnissen der aktuellen Politik.

Alle Klassen unserer Schule beteiligten sich im letzten Jahr an einem Kuchen -  und Sandwich – Basar. Der Erlös wurde dem Förderverein der Gedenkstätte übergeben. Er sammelt Spenden, damit den  ehemaligen Häftlingen, die in Massengräbern verscharrt wurden  mit diesen Namenstafeln wenigstens ihre Identität zurückgeben werden kann und den Familien ein Ort der Trauer und des Gedenkens.

Im April 2015 konnte auch „unsere“ Namenstafel für den tschechischen Häftling HEINRICH LANGE am Gräberfeld angebracht werden.